REPRISE!

Bad Aibling, 8. Juni 2014

Elisabeth Jacobi, geb. Braun

 

Rudolf Steiner, Berlin, 11. Oktober 1906, ISBN 3-7274-6840-8, S. 17

Sozial, wer Erkenntnisse schafft!   www.buntnessel.de/sozialheute.jpg

 

www.buntnessel.de/evolutionbioeule.htm

 

Daems: ’Rudolf Steiner dürfte dem Paracelsus am nächsten gestanden haben!’   Echterehrenpreis.de zitiert aus dem Gedächtnis!

 

www.echterehrenpreis.de/paracelsusphilos.doc

 

Paracelsus

Paracelsus schrieb über 200 tiefschürfende theologische und philosophische Werke, die in ihrer vollen Bedeutung erst heute allmählich erkannt werden. ...
www.philos-website.de/autoren/paracelsus_g.htm - 19k -
Im Cache - Ähnliche Seiten

 

Aureolus Theophrastus Paracelsus (1493 - 1541)

 

Europäischer Arzt, Naturforscher und Philosoph, der für die vorbeugende und heilende Auswirkung einer naturgemäßen Lebensweise eintrat. Erhaltung und Pflege der natürlichen Lebenskraft sind Grundsätze seiner Lehre. Paracelsus schrieb über 200 tiefschürfende theologische und philosophische Werke, die in ihrer vollen Bedeutung erst heute allmählich erkannt werden.Philosophisch-theologisch vertrat er die Ansicht, dass Mikro- und Makrokosmos sich entsprechen, und dass das, was außerhalb des Menschen ist, auch innerhalb des Menschen sei, wobei er die Existenz von drei Seinsebenen postulierte: die »Entia« der göttlichen, seelischen und materiellen Sphäre. Paracelsus hat als Erster erkannt, dass die Lebensvorgänge und die krankhaften Veränderungen im Organismus auf chemischen Abläufen beruhen und damit auch durch chemische Mittel beeinflusst werden können, eine Tatsache, die ihn zum Begründer der pharmazeutischen Chemie (Iatrochemie) werden ließ.

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

Seele – Geist – Leib
Gott
Licht der Natur und Licht des Geistes
Das selige Leben

 

Christus
Das Wesen Christi
Der Leib Christi (die Sakramente)
Die Weisheit Christi

Seele – Geist – Leib
a) Leib, Geist, Seele. Was vom Fleisch ist, das ist tierisch und hängt allen Tieren an. Was vom Gestirn ist, das ist menschlich. Und was vom Geist Gottes ist, das ist nach der Bildnis [Gottes]. S.170 (XII,22)

b) Leib.Das corpus ist der Anfang gewesen aller Dinge. Nach dem ist geschaffen worden demselbigen corpus sein lebendiger Geist, welcher aus dem corpus und durch das corpus seine Wirkung vollbringt. S.170 (XII,14)

c) Irdischer Geist (irdische Seele). Merket auch, daß zwo Seelen im Menschen sind, die ewige und die natürliche; das ist: zwei Leben. Eins ist dem Tod unterworfen, das andere widerstehet dem Tod... Was natürlich ist, das ist im gestirnten Leib; und der gestirnte Leib ist im körperlichen; und sind also beide ein Mensch, aber zween Leib. S.170 (XII,58)

d) Ewige Seele (ewiger Geist). So kommt nichts gen Himmel, weder der elementische noch der siderische Leib [irdische, sterbliche Verstandesleib] allein der Mensch, der ein Geist ist, und nämlich der Geist, der von Gott ist. — Die Seel, dieselbige trägt ewiglich der Menschen Bürde oder Freud. Zum selbigen ist gegeben die Vernunft, Fürsichtigkeit und Weisheit. Diese drei sollen den Leib regieren und ziehen, also damit der Seel nicht zu schwer das Joch werde auf den Hals gelegt. S.170f. (XII,288. — I,301 f.)

e) Lebenskraft (Spiritus vitae). Der spiritus vitae ist ein Geist, der da liegt in allen Gliedern des Leibs, wie sie denn genannt werden, und ist in allen gleich der eine Geist, die eine Kraft, in einem wie in dem andern, und ist das höchste Korn des Lebens, aus dem alle Glieder leben.
S.171 (III,15)

Gott
Gott als Quelle der Wahrheit.
Gott ist der Wahrheit Ursprung. Darum steht sie um ihn wie die Blätter am Baum um den Baum. Wo nun nicht Wahrheit gebraucht wird, da ist Gott nicht. Allein wo die Wahrheit ist, da ist Gott; denn um Gott ist die Wahrheit. - Nun ist Gott die höchste Wahrheit. S.181 (Th IV,186. — XIII, 296)

Die Vielfalt Gottes.
Darum wisset, daß Gott viel hunderttausend Angesichter hat — das dahin, das dahin — und nicht allein eins. S.181 (Th IV,287)

Der allmächtige und vollkommene Gott.
Wir sind nicht Gott, er ist Gott; wir sind auch nicht Herren, er ist Herr. — Was die Kreaturn wirken, ist allezeit mit Gebrechen, nicht ganz. Aber was gebricht Gottes Werk? Darum ist ihm nichts gleich! S.181 (ThV,27.—ThIV,185)

Der allgegenwärtige Gott.
Der im Himmel sitzt, der ist Herr, und sonst keiner nicht. Was nun ein Herr heißt, das tut der Knecht. Also sollen wir ihm auch tun. Darum ist [es] nichts, daß wir auf den Menschen acht haben, als an die, so an Gottes Statt sitzen. Denn wir haben einen Herrn, und ein ganzen, vollkommnen Herrn. Der hat kein Statthalter, er mag auch kein haben. Dann Ursach, Gott ist über all und ist bei allen. Wie kann er denn wandern, weichen, hinweg reiten? S.181 (Th VI,159)

Gott als unpersönliche Wirkkraft.
Nie kein Kraft ist gewesen, die nicht Gott selbst gewesen sei, wiewohl nicht persönlich, aber seine Kraft. Darum so ist Gott der Vater in seinen Tugenden [»Kräften, Fähigkeiten«] natürlich gewesen, das ist: in der Natur. S.181 (M137)

Der Sinn der Dreieinigkeit.
Also glauben wir in Gott als in Gott den Vater, der uns geschaffen hat, von dem wir allein sind, der unser Vater ist. Also glauben wir auch in Gott den Sohn, der uns erlöset hat. Also glauben wir auch in Gott den Heiligen Geist, der uns erleuchtet hat. Denn da müssen die Personen geglaubt werden wie ein Baum der Früchte gibt: der soll [»nützt, taugt«] ohne Erde nichts, ohne den Baum nichts, ohne die Frucht nichts. Die drei sind alles ein Ding, und nicht drei; aber vor unseren Augen sind's drei Ding. S.182 (Th VII,125f

Viele Wege zu Gott
Darum aus der Ordnung Gottes sind viel Weg zu Gott, und doch aber alle enge Weg ... Und kann niemand übel gehn, der im engen Weg geht. Denn er fürcht‘t Gott und liebet seinen Nächsten - . . Wie nun also die Weg sind, so stehn sie bei Gott, nit beim Menschen, wo Gott ein jeglichen hinbescheid‘t ... Denn ein Mensch, der das tut, das ihm sein Herz unterweist und sein Gewissen, dazu ein jeglicher gelehrt gnug ist von Gott, der ihn gemacht hat — aus derselbigen Gelehrtheit weiß ein jeglicher wohl, was er tun soll.. . So wir darauf gewiesen werden, so wisset, daß die Heiden nahe bei uns sind, daß sie aber weniger selig sind denn wir. Das will der Wille Gottes, daß uns der Tauf und die Erlösung Christi, in den wir glauben, mehr auferheben als die, so nit glauben. S.196f. (M 278 f.)

Licht der Natur und Licht des Geistes
a) Die natürliche Theologie.Es hat nit alles von Stund an ein geistlichen Verstand. Sondern es muß am ersten im Licht der Natur erkannt werden. Darnach so gibt es ein Theologen. Nit daß ich ein Theologus sei. Denn ich berühm mich keines Geists, aber der Künsten... Es möcht vielleicht einer vermeinen, es wär ein Theologica: so laß‘s ein natürliche sein, die da fleußt aus natürlichem Grund. S.193 (Vorr. üb. Evangelisten 2a)

b) Gott und Christus als die wahren Lehrmeister Darum so müssen wir ein höhern Schulmeister suchen denn der Mensch [ist] wollen wir anders im rechten Grund erleucht‘t werden. — Ein jeder Mensch hat ein gegebnen Geist von Gott, der den Menschen regiern und führen soll. — Besser ist die Weisheit Christi denn alle Weisheit der Natur. — Wer hat die Künst gelehret? Auch allein Gott!
S.193 (Th VI,80. —1. Mt.-Komm. zu Kap. 5,3.— X,646. — XII,121)

c) Mehr als das natürliche Licht.Nun über das, so das natürlich Licht faßt und erkennt, ist noch mehr, das über dasselbige reicht und erhoben ist, allein wider das Licht der Natur, das ist: im Licht der Natur nit zu ergründen. Aber im Licht des Menschen, das über das Licht der Natur ist, da wird es ergründt‘t. Denn die Natur gibt ein Licht, dadurch sie mag erkannt werden, aus ihrem eignen Schein. Aber im Menschen ist auch ein Licht, außerhalb dem Licht, so in der Natur geborn ist. Dasselbig ist das Licht, dadurch der Mensch übernatürlich Ding erfährt ... Denn der Mensch ist mehr denn die Natur. Er ist die Natur, er ist auch ein Geist, er ist auch ein Engel, deren aller dreien Eigenschaft hat er. Wandelt er in der Natur, so dient er der Natur; wandelt er im Geist, er dient dem Geist; wandelt er im Engel, er dient als ein Engel. Das erst ist dem Leib geben, die andern sind der Seel geben, und sind ihr Kleinod. Darum nun daß der Mensch ein Seel hat, und die zwei dabei, drum steigt er über die Natur, zu ergründen auch was nit in der Natur ist, sondern zu erfahren und zu ergründen die Höllen, den Teufel und sein Reich. Also auch ergründ‘t der Mensch den Himmel und sein Wesen, nämlich Gott und sein Reich. S.193f. (XIV,115f.)

d) Das Licht des Geistes als letzte Weisheit. Also zwo Weisheit sein in dieser Welt, ein ewige und ein rötliche [sterbliche]. Die ewig entspringt ohne Mittel aus dem Licht des Heiligen Geists, die ander ohne Mittel aus dem Licht der Natur. Die aus dem Licht des Heiligen Geists hat nur ein Speciem an ihr, das ist die gerecht, unbresthaftig [unbeschädigte] Weisheit. Die aber aus dem Licht der Natur hat zwo Species, die gut und die bös Weisheit. — Darum ob gleich wohl mir der Natur angefangen wird, so folgt doch nicht aus dem, daß in der Natur soll aufgehört werden und in ihr bleiben. Sondern weiter suchen und enden in dem Ewigen, das ist im göttlichen Wesen und Wandel! ... Also hab ich mit dem Licht der Natur angefangen, und ungezweifelt in Gott dem Herrn, im Licht des Ewigen [will ich] beschließen. S.194f. (XII,8. —XII,273

Das selige Leben
a) Seligkeit durch Gott. Allein Gott, der macht selig, und die Menschen können sich in keinem Wege selig machen, und ist ihnen nicht möglich. Allein Gott muß es tuen. — Das sind die größten Werk, die uns Gott beweist, daß er uns allemal mit seligen Leuten versorgt, die uns weisen und führen und lehren sollen in dem ewigen, seligen Leben. S.200 (Anh. frühe Entwürfe Mt. 60a. — M 91)

b) Seligkeit im höchsten Gut. Nichts ist das höchst Gut denn das, das untötlich ist und über uns alle ist, und ist ewig, und ist unzeränglich. — So wir wollen im höchsten Gut leben, sollen wir alles das, so zur Hoffart und zum Geiz und zu eigner Wollust dient, von uns tun. — Der Weg zur Seligkeit will still sein, will nit mit Geschrei gehn, sondern von innen aus dem Herzen heraus, und nit von außen ankleibt [angeklebt]. — Nun ist die Liebe das Süßeste, so der Leib haben mag auf Erden. Also ist dem Geist das Süßeste die Liebe in Gott. — Ehe wir leugnen sollen das Wort Gottes, so sollen wir Leib und Leben, Weib und Kinder lassen. S.200 (M 111.— M 123.— De septem punctis 224b. —Anh. frühe Entwürfe Mt. 4ib. — Ebd. 37b)

c) Das selige Leben als Gegenwartsaufgabe. Das ich hie beschreib vom Wesen im seligen Leben, ist nit, daß ich den Unglaubigen oder den Unwissenden von Christo Lehr geb. Denn nit ein Apostel oder dergleichen bin ich, sondern ein Philosophus nach der deutschen Art. Aber das beschreib ich denen, so in Christo getauft sind, und aber ihn nit hören wollen. — Die Christum kennen, denen schreib ich die Lehr einer christenlichen Polizei [christlichen Gemeinwesen], den Heiden nit... Denn wer will leben seliglich auf Erden, der muß sein Lehr, Regiment und Ordnung auf den Eckstein Christum setzen, derselbig ist alles, aus dem muß es gezogen werden. — So wisset hie in diesem Volumen allein, wie ein selige Polizei je einer gegen den andern als gegen sich selbst wandlen und handlen sollen. Dazu auch, daß ein jeglicher sein Gab, so ihm Gott geben hat, brauche zu der Liebe Gottes und seines Nächsten. S.200f. (M 76.— M 84.— M 85)

d) Das Leben in der Auferstehungswelt.So wisset, daß nach dem Tod des Menschen der Mensch muß im Fleisch und Blut bleiben und sein, und also am Jüngsten Tag als ein Mensch und nicht als ein Geist auferstehen und eingehen mit Blut und Fleisch in das Reich Gottes. — Darum so wisset, so das Fleisch Adae und die Welt zergehen werden, und nichts Tötlichs wird alsdann sein. So wird der Zirkel der Welt erfüllt werden mit einer ewigen Wohnung, in der kein Tod wird sein, sondern in Ewigkeit ohn End ein Paradeis ... Denn da werden die Erwählten kommen und nit die Unerwählten, die Probierten und nit die Unprobierten. Also wird ein Schafstall und ein Hirt, das ist ein Wesen im neuen Leib, aber im alten Adam nit. S.201 (XII,306. – XII,321)
Aus: Paracelsus, Vom Licht der Natur und des Geistes. Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk Unter Mitarbeit von Karl-Heinz Weimann, herausgegeben und eingeleitet von Kurt Goldammer
Reclams Universalbibliothek Nr. 8448 (S.170-171, 181-182, 193-195, 196f, 200-201) © 1960 Philipp Reclam jun., Stuttgart
Veröffentlichung auf Philos-Website mit freundlicher Erlaubnis des Reclam Verlages

 

 

 

Seit hundert Jahren ist die Annahme des Evolutionsgedankens wichtiges Anliegen der Anthroposophie! Wird Hessens Kulturpolitik immerhin jetzt zusammen mit Papst Benedikt einsichtig:

Dies ist der Zwischenspeicher von Google für http://evangelischesfrankfurt.de/2006/12/evolution-und-bibel-passen-zusammen nach dem Stand vom 29. Mai 2007 19:53:05 GMT.
Googles Cache enthält einen Schnappschuss der Webseite, der während des Webdurchgangs aufgenommenen wurde.
Unter Umständen wurde die Seite inzwischen verändert. Klicken Sie hier, um zur
aktuellen Seite ohne Hervorhebungen zu gelangen.
Diese Seite im Cache bezieht sich eventuell auf Bilder, die nicht länger zur Verfügung stehen. Klicken Sie hier, um nur den
Text im Cache anzuzeigen.
Um einen Link oder ein Bookmark zu dieser Seite herzustellen, benutzen Sie bitte die folgende URL: http://www.google.com/search?q=cache:eKTkan2W5FsJ:evangelischesfrankfurt.de/2006/12/evolution-und-bibel-passen-zusammen+evolution+bibel+hessen&hl=de&ct=clnk&cd=2

Google steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.

Diese Suchbegriffe wurden hervorgehoben: 

evolution 

bibel 

hessen 

 

 

 

 

Welches Europa wollen Sie und ich?   Ein ’islamjesuitisches’?

 

www.buntnessel.de/eukropf.htm

 

Upload verweigert?   www.buntnessel.de/eugrundsatzmerkelstrebtmittelalterlicheloesungenanvglbuntnesseleukropf.htm

 

www.buntnessel.de/wertschoepfungeuropabioeule.htm

statt Werterschöpfung!

 

 

 

 

Dann eben als Google-Suche:

Dies ist die HTML-Version der Datei http://www.anthromedia.net/uploads/media/UlrichRoesch_Das_soziale_Hauptgesetz_03.pdf.
Google erzeugt beim Web-Durchgang automatische HTML-Versionen von Dokumenten.
Um einen Link oder ein Bookmark zu dieser Seite herzustellen, benutzen Sie bitte die folgende URL: http://www.google.com/search?q=cache:EBPnlpmIy7AJ:www.anthromedia.net/uploads/media/UlrichRoesch_Das_soziale_Hauptgesetz_03.pdf+moderne+probleme+mittelalterliche+l%C3%B6sungen&hl=de&ct=clnk&cd=1

Google steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung.

Diese Suchbegriffe wurden hervorgehoben: 

moderne 

probleme 

mittelalterliche 

lösungen 

 

 


Page 1

100 Jahre Geisteswissenschaft und soziale Frage

100 Jahre anthroposophischer Sozialimpuls

Ulrich Rösch

Am 14. August 1906 wurde die Zeitschrift Lucifer Gnosis Nr. 32 von Rudolf Steiner

fertiggestellt, in welcher der dritte Aufsatz „Theosophie und Soziale Frage“ mit dem

sozialen Hauptgesetz erschien, der den Aufsätzen vom Spätjahr 1905 und Frühjahr

1906 folgte. Man kann diese drei Aufsätze als Grundlegung des anthroposophischen

Sozialimpulses verstehen. 100 Jahre danach hat die Sektion für Sozialwissen-

schaften das soziale Hauptgesetz und damit die Begründung des anthroposo-

phischen Sozialimpulses zum Jahresthema gemacht.

In Kolloquien und einer grossen Tagung Michaeli 2006 soll diese Thematik wieder

ins Bewusstsein der anthroposophischen Bewegung aber auch in den Dialog mit der

Öffentlichkeit gestellt werden. Ein erstes Kolloquium hat am 5. und 6. Oktober am

Goetheanum stattgefunden.

Wir leben in einer Zeit grosser Widersprüchlichkeiten. Der moderne Mensch strebt

nach immer mehr Individualisierung, gleichzeitig zwängt unsere technologische Welt

die Menschen immer stärker ein, hat die Tendenz zur Gleichmacherei. Einerseits for-

dern die Bürger immer mehr Mitsprache und Selbstbestimmung, andererseits haben

die heutigen Staaten die Tendenz den Bürger immer mehr zu entmündigen. Mit un-

seren heutigen Produktionsmöglichkeiten können wir ungeheure Werte schaffen,

gleichzeitig wird das humanitäre Defizit unserer Gesellschaften immer grösser. Die

ideologischen Führer unserer Zeit proklamieren den Sieg der freiheitlichen Gesell-

schaft, dabei wird die Freiheit als egoistisches Machtstreben missverstanden.

Die alte Grundüberzeugung von Adam Smith, dass der Egoismus die Triebfeder für

allen wirtschaftlichen Fortschritt sei, taucht heute wieder in einer sogenannten „Neo-

Liberalen“ Form auf. Alles wird zur Ware gemacht: Dienstleistungen, Erfindungen,

Rechte, Kapital, Grund und Boden und die menschliche Arbeitskraft. Obwohl jeder,

der heute das wirkliche Marktgeschehen beobachtet die Absurdität Smiths Überle-

gungen offensichtlich erfahren kann, haben diese Gedanken bis heute eine solche

Faszination, ja Magie, dass der überwiegende Teil der heutigen Gesellschaften auf

dieser Ideologie basiert. Die Menschlichkeit bleibt dabei auf der Strecke.

Moderne Probleme – mittelalterliche Lösungen

 

Unser Denken über die sozialen Probleme ist immer noch mittelalterlich und damit

auch vorindustriell. Unsere modernen Gesellschaften haben aber gewaltige Entwick-

lungen durchgemacht, denen unsere Begriffe nicht folgen konnten - diese müssen

entideologisiert werden. Ein unbefangenes, vorurteilfreies Anschauen der sozialen

Phänomene kann die Grundlage für ein kreatives Denken werden, das der Quell für

schöpferische aber konkrete Utopien werden kann. Gerade das fällt aber den heuti-

gen Zeitgenossen besonders schwer.

Ulrich Rösch

Das soziale Hauptgesetz

Seite 1


Page 2

Die sozialen Probleme zeigen sich alle im Spannungsfeld zwischen dem Streben je-

des einzelnen Individuums nach größtmöglicher Freiheit, nach Selbstverwirklichung

und Individualismus und der Realisierung gesellschaftlichen Strebens in gemein-

schaftlichen und solidarischen Arbeitsgemeinschaften. Dazwischen bildet sich der

Bereich des Berechtigens und Verpflichtens, die Sphäre aller Rechtsbeziehungen,

die dem modernen Menschen entsprechend, den Maßstab der Gerechtigkeit erfor-

dern. In der Vergangenheit waren es die sozialen Verbände, die zum Überleben des

Einzelnen nötig waren, das Individuelle musste der Gemeinschaft geopfert werden.

In der modernen Zeit dreht sich das um. Heute müsste das ganze Bestreben der Ge-

meinschaften dahin gehen, dem Individuum die freie Entfaltung zu ermöglichen. Die

Fortschrittlichkeit einer Gesellschaft lässt sich daran messen, in wie weit sie die Ein-

zelpersönlichkeit in den Vordergrund stellt – erst so würde sich wirklicher Liberalis-

mus modern und menschengemäss entwickeln können.

Die heute vollzogene globale Revolution ist eine konsequente Folge unserer moder-

nen industriellen Produktionsweise, die immer nach weltweiten wirtschaftlichen Be-

ziehungen und Verflechtungen strebt. Nationale Grenzen und rechtliche Einengun-

gen können die globale Ausbreitung mehr oder weniger behindern, nicht jedoch ver-

hindern. Dieses Phänomen sollten wir ernsthaft wahrnehmen und nicht bejammern.

Allerdings darf damit nicht zwangsweise die Ideologie des Neo-Liberalismus verbun-

den werden. Es liegt in der gesunden Entwicklung des Wirtschaftslebens, dass sich

die Unternehmen weltweit immer mehr verflechten. Der Wirtschaftsorganismus strebt

aus seinen eigenen Tendenzen heraus zu einem Ganzen, zu einem Spinnweben-

System fein geknüpfter Beziehungen und Verflechtungen über die ganze Erde. Gera-

de das schafft den Menschen die Möglichkeit eine erdumspannende Verbindung mit

allen ihren Schwestern und Brüdern auf der ganzen Welt zu schaffen.

Bedürfnisse und Fähigkeiten gehören zum Wesen und Schicksal des Menschen. Arbeit

richtet sich immer auf die Bedürfnisse des anderen Menschen. Damit zeigt sich in der Arbeit

das Urbild einer sozialen Geste. Ich brauche den anderen Menschen damit ich meine Anla-

gen und Fähigkeiten weiter entwickle, der andere Mensch braucht aber mich, damit er ein

würdiges Dasein auf der Erde fristen kann – und umgekehrt. Geben und Nehmen, beides

hat im Schicksalsausgleich einen gleichwertigen Rang.

Interesse am anderen

 

Unsere Fähigkeiten, zeigt Rudolf Steiner, sind die Früchte vergangener Erdenleben. Durch

die Arbeitsteilung ist das Prinzip der Brüderlichkeit (Geschwisterlichkeit) Gestaltungsele-

ment der wirtschaftlichen Beziehungen geworden. Arbeitsteilung und Spezialisierung aber

auch die Mechanisierung und Virtualisierung im Produktionsprozess bedürfen aber der be-

wussten Ergänzung: dem Interesse an dem anderen menschlichen Wesen. Im Vollzug die-

ser Tätigkeit für das bedürftige andere Wesen realisieren wir einen tiefen Zukunftsimpuls:

das Interesse an dem anderen, die Liebe, die sich hier in einem freien Akt verwirklicht, wird

zum Gestaltungsimpuls für die Zukunft, für einen neuen Erdenzustand.

Jegliche Art von Arbeit für eine materielle Entlohnung verhindert aber solche Impulse reiner

Humanität. Rudolf Steiner spricht dies wiederum in deutlicher Radikalität aus: „dass in der

Tat in einer Weltordnung, in der man daran denkt, Lohn und Arbeit müssten sich unmittelbar

entsprechen, in der man sozusagen für seine Arbeit dasjenige verdienen muss was zum Le-

Ulrich Rösch

Das soziale Hauptgesetz

Seite 2


Page 3

ben notwendig ist, niemals eine wirkliche Grundüberzeugung von Reinkarnation und Karma

gedeihen kann.“ (21.02.1912 GA 135 S. 88)

Von der Tauschwirtschaft über die Geldwirtschaft zur Fähigkeitenwirtschaft

 

Unsere gesellschaftliche Entwicklung ist weiter gegangen, hat gewaltige Umwälzun-

gen mit sich gebracht – unser Denken ist jedoch in alten Formen stehen geblieben.

Von der Tauschwirtschaft, deren Funktionsprinzip der Warenaustausch war und die

auf der unmittelbaren Bearbeitung der Natur (Grund und Boden) beruhte sind wir

beim Hereinbrechen der Neuzeit übergegangen zu einer Geldwirtschaft, mit der ur-

sprünglich die Menschenrechte und die Menschenwürde gerade durch die moderne

 

„freie“ Arbeit der Menschen sichtbar wurde. Da aber bewusstseinsmässig der Schritt

nicht vollzogen wurde, blieb man bei dem alten Begriff der Lohnarbeit stehen. So

konnte zwar in der Realität, aber noch nicht im Bewusstsein der Menschen der

Schritt zur Fähigkeitenwirtschaft, in der freie Individualitäten für ihre Mitmenschen tä-

tig werden und in Freiheit über Kapital, das durch den menschlichen Geist erzeugt

wurde verfügen.

Das soziologische Grundgesetz Rudolf Steiners

 

Nachdem Rudolf Steiner im 19. Jahrhundert im Anschluss an seine Goetheforschung

seine grundlegenden erkenntnistheoretischen und philosophisch-philologischen

Schriften verfasst hatte, entwickelte er im Anschluss an eine Besprechung des Bu-

ches „Die soziale Frage“ von Professor Ludwig Stein das „Soziologische Grundge-

setz“, das besagt, dass man alle sozialen Phänomene unter dem Aspekt des sich zur

Individualisierung entwickelnden Menschen zu betrachten habe. Er nennt dieses Ge-

setz, das die Entwicklung vom Kollektiv zur Individualität beschreibt das „Gesetz des

Individualismus“.

Wirksamkeit an der Arbeiterbeildungsschule

 

Zur Jahrhundertwende wird er Lehrer an der von Wilhelm Liebknecht in Berlin ge-

gründeten Arbeiterbildungsschule. Seine Vorlesungen und Übungen finden bei der

Arbeiterschaft grossen Anklang.

Es ist eine Tragik im Lebensgang Rudolf Steiners: er findet starkes Interesse bei der

proletarischen Zuhörerschaft, die sozialistisch-bürgerlichen Führer aber verhindern

seine weitere Wirksamkeit an der Schule. Am 15.01.1905 hielt er seine letzte Rede in

der Arbeiterbildungsschule. An Marie von Sivers schrieb er am selben Tage: „Du

 

weißt, dass ich in dem Wirken in diesen Kreisen eine Mission sah. Es ist wirklich et-

 

was zerstört, was ich nicht wollte zerstört sehen.“ (GA 262/49) Danach verstärkt er

seine Wirksamkeit in theosophisch-bürgerlichen Kreisen – dort findet er ein Gehör für

die ihn bedrängenden spirituellen Erfahrungen; es ist dort aber keinerlei Interesse für

die soziale Frage vorhanden.

Als Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft

 

Er wird Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft,

Marie von Sivers, seine spätere Frau, wird seine engste Mitarbeiterin. In seinen Vor-

Ulrich Rösch

Das soziale Hauptgesetz

Seite 3